Hans-Jürgen Bersch betreibt seit 48 Jahren eine Amateurfunk-Station

Mir funkt wer dazwischen. Ja natürlich, es ist das Rufzeichen DL7ATR von Hans- Jürgen Bersch, einem leidenschaftlichen Amateurfunker aus Simmerath. Der Hobbyfunker ist Vorsitzender des Ortsverbandes G26 Nordeifel im Deutschen- Amateur- Radio- Club. Der Ortsverband mit derzeit 18 Mitgliedern hat im Mai 2019 sein 50-jähriges Bestehen gefeiert. Bersch teilt sein technisches Hobby mit über 67500 Menschen in Deutschland und mehr als zwei Millionen Funkamateuren weltweit. „Die meisten haben einfach Spaß an Technik und Elektronik und wollen das mit Kommunikation verbinden“, berichtet Bersch. Doch selbst wenn man nur in der Freizeit funkt – ohne Lizenz geht es nicht, denn Amateurfunk ist ganz offizieller Funkdienst. Wer also selbstständig senden möchte, muss eine Prüfung bei der Bundesnetzagentur absolvieren. Dazu muss man sich für die Einsteigerklasse „E“ ein entsprechendes Wissen über Technik, Betriebskunde und Gesetzeskunde aneignen. Für die Klasse „A“ – von Langwelle 400 kHz bis weit in den Gigahertzbereich (GHz) – werden vertiefend die Themenbereiche, Schaltungsaufbau, Ausbreitungsbedingungen und Antennenbau abgefragt. Nach Erhalt der Lizenz bekommt man sein persönliches Rufzeichen zugeteilt und ist damit auf der ganzen Welt eindeutig zu identifizieren. Abhängig von der Distanz die überbrückt werden muss, wird zwischen Kurzwelle, Mittelwelle und Langwelle entschieden, und so kann man dann Sprach- und Textnachrichten, aber auch Bilder und E-Mails versenden. Ohne Computer wird aber heute nur noch selten gefunkt, da nur mit einem Computer eine Ortung und die Speicherung der einzelnen Verbindungen möglich sind. „Verschlüsselungen sind jedoch nicht erlaubt, alle Nachrichten müssen offen verschickt werden“, erklärt Bersch. Für eine weltweite Verbindung über Kurzwelle reichen schon ein paar Meter Draht, für UKW hat Bersch eine riesige Richtantenne in seinem Garten. Im Keller befindet sich sein stationäres Funkzentrum mit einer beeindruckenden Gerätevielfalt. Dort lagern auch die funktionsbereiten tragbaren mobilen Kofferstationen. Auch in Bersch‘s Auto „funkt“ es, und seit acht Jahren besitzt er einen Unimog mit entsprechender Funktechnik aufgerüstet. Äußerst interessant ist auch das Thema: Erde- Mond- Erde Verkehr. Hier wird der Mond als Reflektor benutzt um größere Entfernungen auf UKW zu erreichen. Eine weitere Reflektion-Möglichkeit ist die Antenne nach Norden zu richten – nennt sich „Aurora- Effekt“ – sie strahlt auf das Nordlicht. „Hört sich im Empfang total verschreddert an, aber man gewöhnt sich dran“, weiß Bersch zu berichten. In den Sommermonaten gibt es sogenannte Sporadic E Ausbreitungen. Dabei bilden sich in der oberen Atmosphäre (der E Schicht) wolkenartige Reflektionsschichten hoher Ionisierung aus und reflektieren die Funkwellen die ansonsten ins Weltall gehen würden. Dadurch kann man auf höheren Frequenzen Entfernungen bis zu 2500km überbrücken. Dem „Normalbürger“ fallen solche Ausbreitungsbedingungen vielleicht dadurch auf, dass man im UKW Radio auf einmal fremdsprachige Sender hört.

Ein erster Amateurfunksatellit genannt OSCAR 1 wurde 1960 von amerikanischen Funkamateuren gebaut und 1961 gestartet. Im November 2018 wurde von der QatarSatellite Company aus Katar ein Fernseh- und Amateurfunk Satellit gestartet und in einen geostationären Orbit gebracht. Der Satellit ist unter der Oskar Nummer QO 100 seit Frühjahr 2019 betriebsbereit, und erlaubt den Funkamateuren die Kommunikation über einen geostationären Satelliten von der Ostküste Brasiliens bis nach Indonesien, von der Arktis bis zur Antarktis. Die Neumayer Station III in der Antarktis ist seit Januar 2020 über diesen Satelliten erreichbar. Bersch baut gerade selbst eine Satelliten-Station für den QO-100 auf. Eine erfolgreiche Funkverbindung wird in der Regel mit dem Versand der sogenannten „QSL“- Karte bestätigt. Sie gilt auch als Visitenkarte und wird daher oft phantasievoll und aufwändig gestaltet. Bersch hat bereits einige Ordner gefüllt von weltweiten Funkstationen. Die Karten sind beliebte Sammelobjekte unter Kurzwellenhörern und Sendeamateuren. Aus der Funkpraxis von H.J. Bersch heraus resultieren auch unvergessliche Erlebnisse und spannende Funkverbindungen. „Ich hatte in Polen weilend eine Verbindung im Auto mit einem unbekannten Flugingenieur. Der war im Privatjet von Kuwait nach Frankreich unterwegs. Eine Stunde haben wir uns ausgetauscht“, so eine seiner Erinnerungen. Ein weiteres Highlight: „Ich konnte seinerzeit dem deutschen Astronaut Thomas Reiter bei seinem Einsatz auf dem Raumschiff MIR zuhören und hatte auch Verbindungen zu russischen Funkstationen in der Antarktis“, legt er weiter nach.Einmal im Jahr gestaltet der Ortsverband Nordeifel seinen „Field-Day Feldtag“ in Mützenich mit Vorführungen der mobilen Funkstationen auf der grünen Wiese. Wegen der Corona-Pandemie hofft Bersch dass ein Kontaktverbot dann aufgehoben ist, und Corona nicht weiter dazwischen funkt. „Amateurfunk ist ein Hobby mit vielen Facetten. Amateurfunker sind nicht antiquarisch, denn wenn Internet und Handynetze versagen ist man immer noch in der Lage weltweit zu kommunizieren, sei es rund um den Globus und ins All“, so sein Schlusswort zu einem spannenden Hobby.

Fotos: Peter Meurer, Archiv H.J. Bersch