Mai 2015, hoher Besuch im Rathaus der Gemeinde Roetgen: Martin Schulz (SPD), damals nach Jean-Claude Juncker (EU-Kommissionspräsident) Europas Politiker „Nummer zwei“, EU-Parlamentspräsident und Karlspreisträger, war eigens in die Eifel gekommen, um seinem alten Freund, Roetgens Bürgermeister Manfred Eis, zum 50-jährigen Dienstjubiläum zu gratulieren.

Verständlich, dass Schulz dann auch die Laudatio auf seinen „alten, langjährigen und guten Freund“ hielt. Darin geizte er nicht mit Lob für Manfred Eis, dem „Mann aus dem Volke.“ So ließ der Redner wissen, dass es schade gewesen wäre, hätte er Manfred nicht kennen gelernt. Zum besonderen Tag eines guten Freundes sei er gerne gekommen, um einem langjährigen Weggefährten zu diesem nicht alltäglichen Jubiläum zu beglückwünschen.

„Wer Manfred Eis kennt, erlebt hat, der schätzt seine zurückhaltende Art. Ich habe mich damals schon gefragt, wie setzt der sich mal durch“, sagte Schulz. Dann ließ er auch gleich das Fazit folgen: „Er kann es.“ Was Eis sage und tue, das habe Hand und Fuß. Man gewinne den Eindruck, er warte ab, gebe sich zurückhaltend. „Er ist ein nachdenklicher Mensch, ein Mann mit klaren Linien, in der Sache entschlossen,“ lobte Schulz. Toleranz und Vernunft seien die Stärken des Roetgener Bürgermeisters und Parteigenossen. Wenn man Manfred Eis herausfordere, dann wisse der genau, was er zu tun habe. „Er geht nie Wege allein, nimmt andere mit, will nicht mit dem Kopf durch die Wand.“

Ein schöner Tag zum goldenen Berufsjubiläum: Martin Schulz (links) verleiht seinem Freund Manfred Eis (mit Gattin Marion) die Ehren-Urkunde. Foto: Thomas Förster

Schon in jungen Jahren habe Manfred Eis sich angelernt, Fähigkeiten zu entwickeln, er habe es in Roetgen zum Gemeindedirektor (drei Jahre) und zum hauptamtlichen Bürgermeister (16 Jahre) geschafft, sich großes Vertrauen erworben. Eis habe auch nie aus seiner Parteipräferenz einen Hehl gemacht, war nie provokant, sondern ein Amtsträger, der andere akzeptiere. „Das ist nicht selbstverständlich und überall der Fall.“ In Roetgen würden daher die Menschen von „unserem Bürgermeister“ reden. Was wolle man mehr im Berufsleben erreichen. In seinen Dankesworten sagte Eis ein wenig bewegt: „Lieber Martin, Deine Ansprache ist mir unter die Haut gegangen.“

Das war vor fünf Jahren. Beide, Schulz und Eis, sind nicht mehr aktiv. Um beide ist es still geworden. Manfred Eis trat für eine vierte Amtskandidatur nicht mehr an. Jorma Klauss (SPD) wurde Nachfolger im Roetgener Rathaus. Schulz kehrte in den Bundestag nach Berlin zurück, wollte Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden. War wohl nix: Der Ausgang ist bekannt. Mit der steilen Karriere war es vorbei.

Was aber macht Manfred „Manni“ Eis denn heute so? Der 72-jährige Pensionär erzählt im Gespräch mit „Eifel Pur“, dass er die Zeit nach seinem Dienst „in vollen Zügen mit seiner Frau Marion“ genieße. „Wir machen das Beste daraus, teilen uns die Hausarbeit auf, das alles klappt vorzüglich“, ist zu hören. Der Arbeitsdruck von einst sei nicht mehr vorhanden. „Ich habe einen großen Garten, der bestellt sich nicht von allein, da gibt es immer etwas zu tun“, sagt Eis. Ja, und dann steckt noch der „Oldtimer-Freak“ in ihn: „Da gibt es permanent etwas an meinem Schätzchen zu schrauben“, meint er lächelnd. „Wir sind mit unserem Wohnwagen durch die europäischen Länder gereist“, folgt auf dem Fuße. Heute aber geben sich die Eis‘s regelmäßig mit Erholung an der Mosel zufrieden. „Die Römer haben diese schöne Gegend schon entdeckt, Land, Natur kennen gelernt und den guten Wein dort angesiedelt.“ Sobald die Zeiten wieder „normal“ sind, geht es die 100 Kilometer von Roetgen flugs wieder in die altvertrauten Gefilde.
Natürlich kommt die soziale Ader bei Manfred Eis gebührend zum Tragen. Er ist Vorsitzender des Fördervereins des Krankenhauses Simmerath, derzeit „richtig beschäftigt“, wie er sagt, mit der Nähaktion der Mundschutzmasken. „Das ist eine wichtige Sache in der heutigen Zeit, das mache ich mit viel Herzblut, da bin ich auch gut gefordert“, gibt er zu verstehen.
Würden Sie beruflich alles wieder genau so machen, wie Sie es hingelegt haben? „Im Grunde schon, aber es gab gleich zu Beginn eine kleine Bremsung auf dem Weg der Fortbildung. Ich musste 18 Monate lang den Ehrenrock der deutschen Nation tragen, war beim Bund“, lässt er wissen. Das sei eine „hemmende Zeit“ gewesen, in der andere ihn einfach beruflich „überholt hätten.“ Natürlich gibt es keinen Groll mehr, alles habe halt seine Zeit. „Ja, ich hatte eine schöne Zeit, die ich genossen habe. Das war so in Ordnung“, schließt Manfred Eis zufrieden mit sich.

Ein langer, erfolgreicher Weg
Manfred Eis begann 1965 bei der Verwaltung der Stadt Herzogenrath eine klassische Berufsausbildung mit einer damals noch siebenjährigen Vorbereitungs- und Ausbildungszeit für den gehobenen Dienst. Er wählte als Stadtinspektor dann die „Ochsentour“
bis hin zum Oberverwaltungsrat, wurde stellvertretender Stadtkämmerer.
1966 wählte man Manfred Eis in Roetgen zum Gemeindedirektor als Nachfolger von Ludwig Rosenbaum, später als hauptamtlichen Bürgermeister. Zuvor saß er im Gemeinderat als „Feierabend-Politiker“, war fünf Jahre lang SPD-Fraktionsvorsitzender. Bislang war die Gemeinde Roetgen stets von CDU-Chefs in der Verwaltung geführt worden.
Am 20. Oktober 2015, nach fast zwei Jahrzehnten, war für Manfred Eis als Bürgermeister der letzte Arbeitstag, seitdem ist er Pensionär. Jorma Klauss (SPD) trat die Nachfolge seines Vorgängers an.